Der Karner Hartberg stammt aus dem 12. Jhdt.

Die erste Kirche an der Stelle der heutigen Stadtpfarrkirche zum Hl. Martin in Hartberg wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut und findet 1157 erstmals urkundliche Erwähnung. Die Stadtpfarr- und Dekanatskirche am Hartberger Hauptplatz besitzt eine lange und interessante Baugeschichte, die sich in vier Perioden architektonischer Erweiterungen und Veränderungen gliedern lässt.

Den Beginn dieser Baugeschichte bildet eine romanische Chorturmkirche aus dem 12. Jahrhundert, die bereits am Ende desselben Jahrhunderts unter Pfarrer Ulrich von Hartberg zu einer dreischiffigen Pfeilerbasilika mit wehrhaftem quadratischem Westturm ausgebaut wurde. Der romanische Chorraum wurde in der Spätgotik ausgebaut, auch Sternrippengewölbe mit Schlusssteinen, die heute noch im Mittelschiff erhalten sind, wurden in dieser Zeit in den Gewölben eingezogen. Die Sakristei an der Südseite der Kirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut.

Im Jahr 1715 richtete ein Brand schwere Schäden am Gotteshaus an und es wurde sogar ein Neubau in Erwägung gezogen. Man entschied sich dennoch zu einem umfangreichen Um- und Wiederaufbau der Kirche durch den Hartberger Baumeister Thoman Reiff, der von 1745 bis 1760 dauerte und der Kirche ihr endgültiges Erscheinungsbild gab, wie man sie auch heute noch vorfindet. Bei diesem Um- und Wiederaufbau in der Zeit des Barock hielt man sich an die gotische Einteilung mit zwei breiten und einem schmalen Joch, die Seitenschiffe mit Emporen wurden neu errichtet. Die Seitenschiffe wurden verlängert, wodurch eine einheitliche Westfassade entstand. Die westliche Fassade besitzt eine Pilastergliederung und eine besonders um die Türen und Fenster ausgeprägte Stuckverzierung. Der Turm der Westfassade mit der Glockenstube wurde mit typisch barockem Zwiebelhelm mit Laterne versehen. An der Nordseite des Chorquadrates wurde eine Marienkapelle mit gerundeter Apsis angefügt. Für das Innere des Bauwerks wurde eine völlig neue Ausstattung angefertigt, darunter etwa der Hochaltar von 1766 mit einem Bild des Kirchenpatrons von J. C. Hackhofer von 1716. In den Seiten- und Kapellenaltären findet man zahlreiche Kunstwerke von Josef Adam von Mölck, die zwischen 1760 und 1762 geschaffen wurden.

Zwei Römersteine an der Südseite der Kirche aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus erinnern, ebenso wie ein Inschriftenstein beim Stiegenaufgang aus der Michaeligasse, an die frühere römische Siedlung hier, die durch Grabungen entdeckt wurde.

Unmittelbar neben der Kirche befindet sich der Karner St. Michel, der zu einem der bedeutendsten Sakralbauten der Romanik in der Oststeiermark gehört. Es handelt sich dabei um einen runden, zweigeschossigen Bau der unter Pfarrer Ulrich von Hartberg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut wurde und als Beinhaus der Stadt diente. Die Fassade wird durch neun vorgelegte Dienstbündel mit Knospenkapitälen vertikalisiert, die an der Eingangsseite zusätzlich mit Menschenköpfen bestückt sind. Vertikal zieren zwei Rundbogenfriese die Fassade des Gebäudes. Der Hauptraum ist durch acht Halbsäulen gegliedert und verfügt über drei Fenster an der Südseite. Die ursprünglich romanischen Innenmalereien des Karners wurden vom akademischen Maler und Restaurator Theophil Melchiar freigelegt und stark überarbeitet, wodurch ihr eigentliches Farbbild und die Darstellungsweise nicht mehr dem Original aus dem Mittelalter entspricht. Die Wandmalereien der Gewölbezone und des zerstörten Treppenturmfelds wurden damals von ihm völlig neu gestaltet. Heute findet man im Hauptraum eine Darstellung der zwölf Apostel und Christus, darunter eine Darstellung der sieben Todsünden, die allegorisch als unterschiedliche auf Tieren reitende Fürsten dargestellt werden.

Kontakt

Hauptplatz 11, 8230 Hartberg,
T: +43 3332 62279, hartberg (at) graz-seckau. at, www.pfarre.hartberg.at

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