Die Wallfahrtskirche blickt auf eine fast 600-jährige Geschichte zurück

„Maria ist die Morgenröth, Die Strahlen ihre Gnad,[…]
Zwisch’n Baum und schönen Wiesenzierd hat Gott zu jederzeit
Ein schönen Wohnsitz aufgeführt, Von Hartberg nicht gar weit.“


So lautet ein Ausschnitt aus dem Maria Lebinger Wallfahrtslied aus dem Jahr 1843, der die idyllische Lage der Wallfahrtskirche in unmittelbarer Nähe der Stadt Hartberg perfekt beschreibt. Etwa eine knappe halbe Wegstunde vom Stadtzentrum entfernt liegt im Süden von Hartberg auf einem kleinen Hügel die Kirche von Lebing.

Die Ortsbezeichnung ist eine Ableitung vom mittelhochdeutschen Wort „lewaren“, dass „Erhebung“ oder „Grabhügel“ bedeutet und tatsächlich soll hier in römischer Zeit ein Grabhügel gelegen haben. Angeblich soll bereits um das Jahr 1409 eine Kirche auf dem „Lebern“ errichtet worden sein, die im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut wurde.

Während der Türkeneinfälle war die Kirche mehrere Male großer Zerstörungsgefahr ausgesetzt, auch die Haiducken und Kuruzzen kamen während ihrer Streifzüge an der Kirche außerhalb der Hartberger Stadtmauern vorbei. Einer Legende zufolge sollen 1704 beim Einfall der Kuruzzen diese in die Kirche eingebrochen sein und wollten dort die Gnadenstatue vom Altar zerren. Eben in diesem Augenblick soll sich die Madonna bewegt haben und sich gegen die Frevler geneigt haben. Diese sollen so erschrocken gewesen sein, dass sie das Gotteshaus unter wildem Geschrei verließen.

Während der Zeit der Reformation kam es zur Verwahrlosung der Kirche, jedoch war bereits 1617 vom bereits wieder hervorragenden Zustand der Kirche die Rede, was nicht zuletzt auch durch die Förderung der Habsburger möglich war. Diese setzten als katholische Herrscherfamilie auf die Förderung der Marienverehrung zur Stärkung der katholischen Kirche. Etwa 150 Jahre später wurde die Herrscherfamilie der Habsburger jedoch der Kirche Maria Lebing fast zum Verhängnis: Im Zuge der zahlreichen Reformen des Sohns und Nachfolgers Maria Theresias, Joseph II., wurden 1773 nur mit geringen Ausnahmen wie etwa Mariazell alle Wallfahrten verboten. Im Jahr 1788 gab es sogar die Überlegung, die Lebinger Kirche zu sperren. Nur durch die Mühen geistlicher und weltlicher Verantwortlicher konnte die Kirche erhalten werden. Bis ins 19. Jahrhundert war Maria Lebing der Lieblingswallfahrtsort der Umgebung, heute werden in der Kirche aufgrund ihrer Nähe zum Friedhof hauptsächlich Begräbnismessen gefeiert.

Der ursprünglich gotische Stil der Kirche ist nur mehr anhand des äußeren Erscheinungsbildes erkennbar. Im Inneren wurde sie im 18. Jahrhundert barockisiert und beherbergt heute unter anderem Fresken von Josef Adam von Mölk, die unter anderem einen Marienzyklus zeigen. Auch findet man in der Kirche einen barocken Hochaltar nach dem Vorbild der Vorauer Stiftskirche Hartberg, der wahrscheinlich von Remigius Horner stammt. Die Kanzel wurde, ebenso wie die Kanzel der Stadtkirche, vom Grazer Bildhauer Mathias Leitner geschaffen.

Auch eine Pestkapelle, die 1680 errichtet wurde, ist Teil der Kirche und wurde aus Dank dafür errichtet, dass Lebing von der 1679 in Hartberg grassierenden Pest verschont wurde. Das Altarbild der Pestkapelle zeigt unter anderem eine zeitgemäße Ansicht der Stadt, um das Altarbild herum sind Statuen der Pestheiligen Sebastian, Rochus und Rosalia platziert. Das Pendant zur Pestkapelle stellt die „Johannes Nepomuk Kapelle“ dar. Das Altarbild dieser Kapelle zeigt den knienden Johannes Nepomuk, der von Engeln umgeben ist. Er gilt als Brückenheiliger und Patron des Beichtgeheimnisses. Unter ihm liegt am unteren Bildrand die Personifikation des Bösen gefesselt. Das Bild wird flankiert von Statuen der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. 

Kontakt

Josef-Hallamayr Straße, 8230 Hartberg,
T: +43 3332 62279, hartberg (at) graz-seckau. at, www.pfarre.hartberg.at

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