1163 - Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Vorau

Die Gründung des Stift Voraus im Joglland als zweitältesten Niederlassung von Augustiner Chorherren in der Steiermark geht auf den Traungauer Marktgraf Ottokar III. zurück. Dieser übergab im Spätherbst 1163 große Teile seines Erbes an das Erzstift Salzburg und im Dezember desselben Jahres wurde ein Kloster der Augustiner Chorherren auf diesem der Kirche übertragenen Stück Land gegründet. Ausgangspunkt dieser Stiftssiedlung war eine kleine Kirche, die dem Hl. Thomas geweiht war und bereits um 1149 errichtet worden war.

In den Jahren 1237 und 1384 gab es jeweils einen großen Brand, der die Gebäude des Stifts schwer beschädigte. Die darauffolgende wirtschaftliche Krise des Stifts wurde unter Propst Andreas von Prambeck im 15. Jahrhundert beendet, der umfassende Reformen im Stift durchführte und eine eigene Vorauer Schreib- und Malschule begründete, aus der auch die erste erhaltene bildliche Darstellung des Stiftes stammte. Sein Nachfolger Propst Leonhard von Horn befestigte den Klosterkomplex ab 1485 mit heute kaum noch erhaltenen Wehrmauern, Wassergräben und Bastein. Auch eine Rüstkammer wurde in dieser Zeit angelegt. Im 17. Jahrhundert wurde eine einheitliche Neugestaltung aller Klostertrakte inklusive der Kirche begonnen.

Unter Propst Philipp Leisl, der von 1691 bis 1717 sein Amt inne hatte, erlebte das Stift eine künstlerische Blüte. Er war es auch, der für die glanzvolle Innenausstattung verantwortlich war, deren Gestaltung er dem Universalkünstler Matthias Steinl aus Wien und einer ihn begleitenden Gruppe von Malern und Bildhauern anvertraute. Aus dieser Gruppe ging auch der begabte Tiroler Maler Johann Cyriak Hackhofer hervor, der von 1707 bis 1731 als Stiftsmaler in Vorau tätig war.

Die Klosterschule, die seit der Gründung des Stifts bestand und seit 1778 als Hauptschule geführt wurde, war wohl einer der Hauptgründe dafür, warum das Stift nicht von den zahlreichen Klosterauflösungen unter Joseph II. betroffen war. Erst in der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Kloster aufgehoben und zum Sitz einer Parteischule gemacht. Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1945 konnten jedoch die vertriebenen Chorherren ins Stift zurückkehren und das während der heftigen Kämpfe um Vorau stark beschädigte Stift wieder aufbauen.

Die Stiftspfarrkirche Hl. Thomas liegt im Zentrum der Klosteranlage, zwischen Klausur und Prälatur. Der neue Sakralbau übernahm einfach das Patronat der ursprünglichen, viel kleineren Kapelle an dieser Stelle und wurde im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut und erweitert, sodass er heute eine Gesamtlänge von fast 63 m besitzt. Die Ausstattung der Kirche zählt heute zu den bedeutendsten des Landes, bei der wohl erstmals in der Steiermark ab 1700 sämtliche Wände und Gewölbe der Kirche mit Freskenschmuck versehen wurden, ohne dabei Stuck einzusetzen. Anstelle des plastischen Stucks wurden die Zierelemente einfach aufgemalt. Das Bildprogramm dieser umfangreichen Wandmalereien besteht aber nicht nur aus Ziermalerei, sondern auch aus drei sich ergänzenden Themenkreisen: Der Verheißung des Gottesreiches, das Kommen des Gottesreiches durch Christus und die Vollendung des Gottesreiches durch Christus und seine Heiligen. Der prächtige Hochaltar, der Anfang des 18. Jahrhunderts nach dem Entwurf von Matthias Steinl geschaffen wurde, ist ein Meisterstück des Barock. Die plastische Figurengruppe in der Mitte des Altars thematisiert die Himmelfahrt Mariens, bei der in der unteren Hälfte die Apostel mit dem Sarg Mariens dargestellt sind. Darüber findet man das gerahmte Ovalbild des Italieners Antonio Belucci, dass die in den Himmel auffahrende Maria zeigt. Den krönenden Abschluss bildet eine plastische Dreifaltigkeitsgruppe über dem Gemälde Mariens.

Eine Besonderheit des Vorauer Stifts ist die Bibliothek im Nordtrakt der Prälatur, die sich über zwei Geschosse auf 24 m erstreckt. Ihre Stichkappentonnenwölbung ist mit zartem Blattwerkstuck der Gebrüder Dominikus und Johan Kajetan Androy verziert, die drei großen Darstellungen an der Decke der Bibliothek wurden vom Hartberger Maler Ignaz A. Kröll angefertigt. Die zentralen Deckengemälde zeigen das Salomonische Urteil, Salomon und die Königin von Saba sowie Diakon Philippus im religiösen Gespräch mit dem Kämmerer der Königin von Äthiopien. In den danebenliegenden kleineren Malfeldern findet man Darstellungen der jeweils vier Evangelisten, Propheten, Kirchenväter, von den Erdteilen und Christus selbst sowie zahlreiche Embleme. An beiden Saalenden stehen Schallmuscheln, die leises Flüstern auf der jeweils anderen Seite hörbar machen. Die Doppelwendeltreppe an der Westseite führt ins Handschriftenzimmer. Insgesamt beherbergt das Stit heute 416 Handschriften, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 gedruckten Büchern. 

Achtung: Wegen Restaurierungsarbeiten ist die Bibliothek bis voraussichtlich August 2019 gesperrt.

Kontakt

Stift Vorau, 8250 Vorau 1,
T: +43 3337 23510, pforte (at) stift-vorau. atwww.stift-vorau.at

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